RELIGIONSKRITIKZur Pathologie einer Illusion

Was ist Psychoanalyse?

Die psychoanalytische Theorie, welche von Sigmund Freud gegründet und entwickelt wurde, sieht den Menschen als ein von (v.a. sexuellen) Trieben gelenktes Wesen, das danach strebt, seine Triebwünsche möglichst schnell und umfassend zu befriedigen. Der Großteil der menschlichen Verhaltensweisen ist darauf gerichtet, Triebwünsche zu befriedigen. Meist ist sich der Mensch dieser Kräfte, die sein Verhalten bestimmen und lenken jedoch nicht bewusst. Deshalb hebt die Psychoanalyse die Bedeutung des Unbewussten hervor.
Traumdeutung, die Persönlichkeitsinstanzen (Ich, Es, Über-Ich), Freudsche Fehlleistungen oder das psychosexuelle Phasenkonzept (Anale Phase, Genitale Phase,…) sind die wohl populärsten Erkenntnisse Freuds.

Für Sigmund Freud ist auch die Entstehung von Religion ganz selbstverständlich ein psychologisches Phänomen:

Für ihn ist Religion schlicht eine Geisteskrankheit. In seiner Schrift «Zwangshandlungen und Religionsübungen» (1907) vergleicht er das «neurotische Zeremoniell» mit dem religiösen Ritual und kommt zum Ergebnis, dass «die Neurose als eine individuelle Religiosität, die Religion als eine universelle Zwangsneurose zu bezeichnen» ist.

Kernthese ist hier, dass sowohl die Religionsausübung als auch die Zwangsneurose als Folge einer «Verdrängung einer Triebregung» entstehen.
«Die wesentlichste Übereinstimmung läge in dem zugrunde

liegenden Verzicht auf die Betätigung von konstitutionell gegebenen Trieben.»

Das Ausleben der Triebe wird vor allem in der Religion unter göttliche Strafe gestellt. Die Angst vor dieser Strafe führt dazu, dass der Trieb – der sich nie komplett ausschalten lässt – immer aufs Neue verdrängt werden muss.
«Der Verdrängungsprozess, der zur Zwangsneurose führt, ist als ein unvollkommen gelungener zu bezeichnen, der immer mehr zu misslingen droht. Er ist mit einem nicht abzuschließenden Konflikt zu vergleichen; es werden immer neue psychische Anstrengungen erfordert, um den konstanten Andrängen des Triebes das Gleichgewicht zu halten. Die Zeremoniell- und Zwangshandlungen entstehen so teils zur Abwehr der Versuchung, teils zum Schutze gegen das erwartende Unheil.»
Aufgrund der Tatsache, dass ein Verdrängungsprozess eben immer ein unvollkommener bleibt, entstehen Schuldgefühle. Diese Schuldgefühle sind dem an Zwang und Verbotenem Leidenden aber nicht bewusst. Freud spricht vom «unbewussten Schuldbewusstsein».
«Dies Schuldbewusstsein hat seine Quelle in gewissen frühzeitigen Seelenvorgängen, findet aber eine beständige Auffrischung in der bei jedem rezenten Anlass erneuten Versuchung und lässt andererseits eine immer lauernde Erwartungsangst, Unheilserwartung, entstehen, die durch den Begriff der Bestrafung an die innere Wahrnehmung der Versuchung geknüpft ist».

Neben dem hier erwähnten Aufsatz «Zwangshandlungen und Religionsübungen» beschäftigte Freud sich vor allem in «Totem und Tabu», «Das Unbehangen in der Kultur», «Der Mann Moses und die monotheistische Religion» und «Die Zukunft einer Illusion» mit Religionskritik.
Im Folgenden möchte ich mich auf letztgenannten Aufsatz beschränken.

Ein wichtiger Begriff in Freuds Religionskritik – bei Freud überhaupt – ist der der Kultur.
Der Kultur, also «all das worin sich das menschliche Leben über seine animalischen Bedingungen erhoben hat und es sich vom Leben der Tiere unterscheidet», steht der Mensch grundsätzlich ambivalent gegenüber.
Zum Einen gibt es, erzeugt durch die von der Kultur geforderten Triebverzichte, eine Kulturfeindseligkeit.
«Denkt man sich die Verbote aufgehoben, man darf also zum Sexualobjekt jedes Weib wählen, das einem gefällt, darf seinem Rivalen beim Weib, oder wer einem sonst im Weg steht, ohne Bedenken erschlagen, kann dem anderen auch irgendeines seiner Güter wegnehmen, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen, wie schön, welch eine Kette von Befriedigungen wäre dann das Leben!»
Dem gegenüber stehen aber die Gefahren der Natur, vor denen die Kultur die Menschen beschützt:
«Aber wie undankbar, wie kurzsichtig überhaupt, eine Aufhebung der Kultur anzustreben! Was dann übrig bleibt, ist der Naturzustand, und dieser ist weit schwerer zu ertragen. Es ist wahr, die Natur verlangte von uns keine Triebeinschränkungen, sie ließe uns gewähren, aber sie hat ihre besonders wirksame Art uns zu beschränken, sie bringt uns um, kalt, grausam, rücksichtslos, wie uns scheint, möglicherweise gerade beim Anlässen unserer Befriedigung.»
Sei es beispielsweise das Wissen über giftige Pflanzen oder Erlernen von Schwimmtechniken, das Wissen über die Haltbarkeitmachung von Lebensmitteln oder die Medizin, all dies sind Kulturerrungenschaften, um die Gefahren der Natur einzuschränken.
Die Menschen müssen also die Kultur schaffen, um sich gegen die Natur verteidigen zu können, um zu überleben. Das ist die Hauptaufgabe der Kultur, ihr eigentlicher Daseinsgrund. Nun geschieht das aber nicht einmal annähernd perfekt.
Denn ständig ist der Mensch mit Naturgewalten konfrontiert, gegen die auch die Kultur nichts ausrichten kann:
«Da sind die Elemente, die jedem menschlichen Zwang zu spotten scheinen, die Erde, die bebt, zerreißt, alles Menschliche und Menschenwerk begräbt, das Wasser, das im Aufruhr alles überflutet und ersäuft, der Sturm der es wegbläst, da sind die Krankheiten, die wir erst seit kurzem als die Angriffe anderer Lebewesen erkennen, endlich das schmerzhafte Rätsel des Todes, gegen das bisher kein Kräutlein gefunden wurde und wahrscheinlich auch keines gefunden werden wird.»
Anhand dieser Beispiele wird deutlich, wie die Natur die Schwäche und Hilflosigkeit der Menschen – trotz aller Kulturarbeit – vor Augen führt.
Aus den bisher im Text genannten Erkenntnissen ergibt sich, dass das irdische Dasein für den Menschen eine ziemlich unangenehme Sache ist.
«Ein Stück Entbehrung legt ihm die Kultur auf, an der er teilhat, ein Maß an Leiden bereiten ihm die anderen Menschen, entweder trotz der Kulturvorschriften oder infolge der Unvollkommenheit dieser Kultur. Dazu kommt, was ihm die unbezwungene Natur – er nennt es Schicksal – an Schädigung zufügt.»
Nun, gegen die Kultur und ihre Zumutungen entwickelt der Mensch die bereits erwähnte Kulturfeindschaft. Was aber unternimmt er gegen die Übermächte der Natur, des Schicksals?

Er vermenschlicht sie.
«An die unpersönlichen Kräfte und Schicksale kann man nicht heran, sie bleiben ewig fremd. Aber wenn in den Elementen Leidenschaften toben wie in der eigenen Seele, wenn selbst der Tod nichts spontanes ist, sondern die Gewalttat eines bösen Willens, wenn man überall in der Natur Wesen um sich hat, wie man sie aus der eigenen Gesellschaft kennt, dann atmet man auf, fühlt sich heimisch im Unheimlichen, kann seine sinnlose Angst psychisch bearbeiten. (…) [M]an kann gegen diese gewalttätigen Übermenschen draußen dieselben Mittel in Anwendung bringen, deren man sich in der Gesellschaft bedient, kann versuchen, sie zu beschwören, beschwichtigen, bestechen, raubt ihnen durch solche Beeinflussung einen Teil ihrer Macht.»
Damit aber nicht genug. Die Vorstellung der Naturgewalten als Menschen, mit denen er wie mit seinesgleichen umgehen kann, würde dem Eindruck, den der Mensch von ihnen hat, nicht gerecht werden. Der Mensch befindet sich in einer Situation die für ihn bekannt ist: Die Situation «hat ein infantiles Vorbild, ist eigentlich nur die Fortsetzung des frühern, denn in solcher Hilflosigkeit hatte man sich schon einmal befunden, als kleines Kind einem Ehepaar gegenüber, das man Grund hatte zu fürchten, zumal den Vater, dessen Schutzes man aber auch sicher war gegen die Gefahren, die man damals hatte.»
Der Mensch gibt den Naturkräften also zusätzlich noch einen Vatercharakter, macht sie zu Göttern und folgt so vor allem einem infantilen Vorbild.
Obwohl immer wieder Lügen der Religion enttarnt werden und die Naturerscheinungen somit ihre menschlichen Züge verlieren, bleibt die grundlegende Hilflosigkeit und somit die Vatersehnsucht und die Götter.

«Die Götter behalten ihre dreifache Aufgabe, die Schrecken der Natur zu bannen, mit der Grausamkeit des Schicksals, besonders wie es sich im Tode zeigt, zu versöhnen und für die Leiden und Entbehrungen zu entschädigen, die dem Menschen durch das kulturelle Zusammenleben auferlegt werden.»

Nach dieser grundlegenden Abhandlung versucht Freud in «Die Zukunft einer Illusion» die Aussagen und Lehrsätze der Religion auf ihre Überprüfbarkeit zu prüfen. Doch er scheitert.
«Wenn wir die Frage aufwerfen, worauf sich ihr Anspruch gründet, geglaubt zu werden, erhalten wir drei Antworten, die merkwürdig schlecht zusammenstimmen. Erstens, sie verdienen Glauben, weil schon unsere Urväter sie geglaubt haben, zweitens besitzen wir Beweise, die uns aus eben dieser Vorzeit überliefert sind, und drittens ist es überhaupt verboten, die Frage nach dieser Beglaubigung aufzuwerfen. Dieses Unterfangen wurde früher mit den allerhärtesten Strafen belegt, und noch heute sieht es die Gesellschaft ungern, dass jemand es erneuert.»
Allein der dritte Punkt sollte äußerst skeptisch machen. Ein Verbot dieser Frage deutet daraufhin, dass die Religion selbst um die Unsicherheit ihres Anspruchs weiß. Auch der erste und der zweite Punkt wird von Freud widerlegt: Unsere Urväter waren weit unwissender als wir und haben an vieles geglaubt, was wir heute als unmöglich wissen.
Freud kommt zu «dem sonderbaren Ergebnis, dass gerade diejenigen Mitteilungen unseres Kulturbesitzes, die die größte Bedeutung für uns haben könnten, denen die Aufgabe zugeteilt ist, uns die Rätsel der Welt aufzuklären und uns mit den Leiden des Lebens zu versöhnen, dass gerade sie die allerschwächste Beglaubigung haben.»
Auch das «Credo quia absurdum» des Kirchenvaters, also die Aussage, die religiösen Lehren würden über den Ansprüchen der Vernunft stehen oder wären dieser entzogen, lässt Freud nicht zu:
«Es gibt keine Instanz über der Vernunft. Soll ich verpflichtet werden jede Absurdität zu glauben?»
Freud kommt zu folgender Quintessenz: «Religiöse Vorstellungen und Lehrsätze (…) sind nicht Niederschläge der Erfahrung oder Endresultate des Denkens, es sind Illusionen.»
Als Alternative zu diesen Illusionen bietet Freud die Wissenschaft an.
Denn «die Wissenschaft hat uns durch zahlreiche und bedeutsame Erfolge den Beweis erbracht, dass sie keine Illusion ist. Sie hat viele offene und noch mehr verkappte Feinde unter denen, die ihr nicht verzeihen können, dass sie den religiösen Glauben entkräftet hat und ihn zu stürzen droht.»

«Nein, unsere Wissenschaft ist keine Illusion. Eine Illusion aber wäre es zu glauben, dass wir anderswoher bekommen könnten, was sie uns nicht geben kann.»

Nun wurde bereits von der Unvollkommenheit der Kultur gesprochen. Einerseits, weil die Kultur nur teilweise in der Lage ist, die Menschen gegen die Natur zu verteidigen; anderseits weil sie den Menschen regelmäßig Triebverzicht und Zwang auferlegt. Nun stellt sich Freud die Frage, ob es eine Kultur geben kann, in der die menschliche Triebbefriedung und die Regelung der menschlichen Angelegenheiten nicht besser bewältigt werden kann.
«Man sollte meinen, es müsse eine Neuregelung der menschlichen Beziehungen möglich sein, welche die Quellen der Unzufriedenheit mit der Kultur versagen macht, indem sie auf den Zwang und die Triebunterdrückung verzichtet, so dass die Menschen sich ungestört durch inneren Zwist der Erwerbung von Gütern und Genuss derselben hingeben könnten.»
Wie genau das aussehen könnte vermochte Freud nicht zu sagen.
Der kollektive Verzicht auf Illusionen – für den Freud eintrat – setzt eine Gesellschaft voraus, «die jenseits der Not, jenseits der klassenmäßigen Ungleichheit stünde und darum auch der Notwendigkeit enthoben wäre, einen staatlichen Zwangsapparat und ein System ideologischer Pseudo-Legitimationen zu unterhalten. Solange ein solcher Zustand nicht erreicht ist, hat die Illusion eine Zukunft, bleibt der psychoanalytische Ikonoklasmus ein sozial folgenloses Privileg weniger Auserwählter.»

Erst einer seiner Schüler, Wilhelm Reich, machte sich darüber grundlegende Gedanken. Er entwickelte zusammen mit Anderen eine Synthese aus Psychoanalyse und Marxismus, den so genannten «Freudomarxismus». Reich trat 1920 in die Internationale Psychoanalytische Vereinigung und 1930 in die KPD ein. 1934 wurde er allerdings aus beiden Organisationen wieder ausgeschlossen.
Laut Reich konnte Marx zwar den ökonomischen Prozess der kapitalistischen Gesellschaft und den Mechanismus der Ausbeutung erklären, die Frage aber «aus welchem Grunde sich die Menschen Ausbeutung und moralische Erniedrigung, kurz die Sklaverei seit Jahrtausenden gefallen lassen, blieb ungeklärt.»
Um diese Frage zu klären nimmt Reich die Sexualtheorien Freuds und die der Psychoanalyse her und entwickelte das Konzept der «Sexualökonomie». Reich ist der Meinung, die Unterdrückung der Sexualität führt dazu, dass der Mensch konservative und reaktionäre Gesinnungen hervorbringt und sich so nicht gegen seine Unterdrückung wehrt.
«Die Sexualhemmung verändert den wirtschaftlich unterdrückten Menschen strukturell derart, dass er gegen sein materielles Interesse handelt, fühlt und denkt.»
Gerade der autoritäre Staat hat deshalb ein besonderes Interesse an Familie und Kirche:
Sie sind seine «Struktur- und Ideologiefabriken». Bereits die «moralische Hemmung der natürlichen Geschlechtlichkeit des Kindes, (…) macht ängstlich, scheu, autoritätsfürchtig, gehorsam, im autoritären Sinne brav und erziehbar; sie lähmt, weil nunmehr jede lebendig-freiheitliche Regung mit schwerer Angst besetzt ist, die auflehnenden Kräfte im Menschen, setzt durch das sexuelle Denkverbot eine allgemeine Denkhemmung und Kritikunfähigkeit; kurz, ihr Ziel ist die Herstellung des an die autoritäre Ordnung angepassten, trotz Not und Erniedrigung sie duldenden Untertans.»
Es entsteht also ein innerer Zwang, Freud entwickelt hier die Begrifflichkeiten des «analen oder zwanghaften Persönlichkeitstyps».
Als Vorstufe dazu durchläuft das Kind den autoritären Miniaturstaat der Familie. An dessen Struktur muss sich das Kind anpassen, um später in den allgemeinen gesellschaftlichen Rahmen einordnungsfähig zu sein. Die Kirche setzt genau diese Funktion später fort. Aus dieser Sichtweise erklärt sich sehr einfach, warum sowohl Staat – bei dem Ehe und Familie unter besonderem Schutz stehen – als auch die Kirche ein so massives Interesse an der bürgerlichen Familie haben. Es geht um die, wie später auch die kritische Theorie zeigen konnte, Schaffung eines unterwürfigen, autoritären Charakters.
«Die autoritäre Strukturierung des Menschen erfolgt – das muss genau festgehalten werden – zentral durch Verankerung sexueller Hemmung und Angst am lebendigen Material der sexuellen Antriebe.»

Auch Alexander Sutherland Neill, der Urvater der antiautoritären Erziehung und enger Freund Wilhelm Reichs, hat sich stark mit der Psychoanalyse und den Folgen, die Religion und die damit verzahnte Sexualfeindlichkeit bei Menschen anrichten können, auseinandergesetzt.
«Für ein Kind bedeutet Religion praktisch immer nur Furcht. Gott ist ein mächtiger Mann mit Löchern in den Augenlidern: Er kann dich sehen, wo du auch bist. Für das Kind heißt das oft: er kann auch sehen was unter der Bettdecke geschieht. In das Leben des Kindes Angst zu bringen ist das schlimmste Verbrechen überhaupt. Es wird für immer nein zum Leben sagen, wird sich immer minderwertig fühlen, immer feige sein. Wem in seiner Kindheit mit dem Leben in der Hölle gedroht wurde, der kann in diesem Leben unmöglich frei von neurotischer Angst um seine Sicherheit sein.»
Auch hier wird die enge Verknüpfung von Religion, Sexualfeindlichkeit und dem daraus resultierenden autoritär-zwanghaften Charakter deutlich.
Allerdings ist genau dieser autoritär-zwanghafte Charakter und die damit verbundene Triebunterdrückung erneut die Grundlage für das Bedürfnis nach Religion.
«Die Sexualität ist die Grundlage jeder negativen Einstellung zum Leben. Kinder ohne sexuelle Schuldgefühle verlangen nie nach Religion oder Mystizismus irgendeiner Art. Da die Sexualität als schwere Sünde betrachtet wird, suchen Kinder, die von Sexualfurcht und Sexualscham ziemlich frei sind, nicht nach einem Gott, von dem sie Vergebung und Gnade erbitten können; sie fühlen sich eben nicht schuldig.»

Unversöhnliches zum Schluss:
Oft hört man das Argument, Religion und Gottgläubigkeit wären Privatsache. Dem ist aber nicht so. Denn ein religiöses Gemüt könnte ja fröhlich seinem Wahn frönen und den Rest der Welt in Ruhe lassen. Gehässig wie Gläubige zumeist sind, könnten sie uns verstockten Materialisten das Höllenfeuer bzw. die Wiedergeburt als Regenwurm von Herzen gönnen.
Ärgerlicherweise aber sind die Götter allesamt heiß auf Verehrung durch ihre Geschöpfe. Darum macht man sich bei ihnen durch die Anwerbung neuer Anhänger auf jeden Fall beliebt. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Religionen haben ein so massives Sendungsbewusstsein, dass man von ihnen eben nicht in Ruhe gelassen wird. Egal ob im Schulunterricht, an der eigenen Haustür, in der Innenstadt oder sonst wo: überall wird versucht, einem diesen Blödsinn nahe zu bringen.

«Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn‘s ihm gut geht und eine, wenn‘s ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion.»

Gerade in Zeiten, in denen im irdischen Leben der Arsch auf Grundeis geht, suchen viele Menschen die Flucht ins Überirdische. Genau deshalb sind viele religiöse Lehren gerade wieder en vogue und fallen auf fruchtbaren Boden. Auch in vermeintlich linken Jugendkulturen macht sich die Religion wieder breit. Egal, ob es Jesus Freaks oder christliche HC-Kids sind: man sollte sie zum Teufel jagen.
Religion steht feindselig zu einer vernünftigen Einrichtung der Welt. Religion setzt auf Furcht, Verzicht und Unterwerfung. Dabei ist es ziemlich egal, ob es sich um organisierte Religionen, Sekten, Esoterik, den Dalai Lama oder einer self-made-patchwork Spiritualität handelt:
Eine Gesellschaft, die die Bedürfnisbefriedigung Aller zum Ziel hat, ist mit Glauben und Irrationalität nicht zu machen.

Josip Broz