ISRAEL/ANTISEMITISMUSGeschichte des Staates Israel

Die Verfolgung und Vernichtung der Juden in der Shoa hatte gezeigt, wie nötig ein Judenstaat war. Die Tragik Israels ist, dass dieser Staat erst drei Jahre nach dem Ende des Holocausts und unter vehementem Widerstand anderer Länder Wirklichkeit werden konnte.
Um die Situation im Nahen Osten und im Staat Israel heute verstehen zu können, ist es wichtig, seine Geschichte zu kennen, wenn auch nur in Grundzügen. Dazu soll folgender Text verhelfen.

Die Sehnsucht, eines Tages nach Zion zurückzukehren, dem traditionellen Synonym für Jerusalem und für das Land Israel, stand über viele Jahrhunderte ständig im Mittelpunkt jüdischen Lebens und Denkens in der Diaspora. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Zionismus zu einer nationalen Bewegung als Reaktion auf die anhaltende Unterdrückung und Verfolgung der Juden in Osteuropa und aufgrund der wachsenden Ernüchterung über die formale Gleichstellung in Westeuropa, die weder zu einer Beendigung der Diskriminierung noch zur Integrierung der Juden in die Gesellschaft der Länder geführt hatte, in denen sie lebten. Auf dem Ersten Zionistischen Kongress, 1897 von Theodor Herzl in Basel in der Schweiz einberufen, wurde die Zionistische Bewegung als politische Organisation begründet mit der Forderung nach der Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel und Wiederbelebung seines nationalen Lebens im Land seiner Väter.

Von dieser Ideologie inspiriert, begannen zuerst einige wenige zionistische Pioniere 1882 nach Palästina einzureisen, um sich dort in jüdischen Siedlungen nieder zu lassen. Später, nach dem zionistischen Kongress, folgten Tausende dem Ruf Theodor Herzls, im Land der Väter und Mütter einen eigenen Staat zu gründen. Hunderttausende sollten dem gleichtun, nachdem Hitler an die Macht kam. Der große Zuwachs der jüdischen Bevölkerung führte zu ständigen Konflikten mit den arabischen Bewohnern dieses Landes und so verhängte die Mandatsmacht Großbritannien 1937 einen Einwanderungsstopp über ihr Mandatsgebiet und verfocht diesen mit allen Mitteln, z.B. wurden illegale Einwanderer in Lagern zuerst in Palästina, später auf Zypern und dann sogar, man höre und staune, in Konzentrationslagern in der britischen Verwaltungszone in Deutschland inhaftiert.
Das absolut Widersprüchliche an diesen Repressionsmaßnahmen ist, dass Großbritannien bei der Entgegennahme seines Mandats 1922 vom Völkerbund dazu beauftragt wurde, »solche politischen, verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Land herzustellen, welche die Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte gewährleiste«.

Dies war die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Holocaustüberlebenden hatten keinen Platz, wo sie eine neue Heimat hätten finden können. Ihre Alte war zerstört und die Neue wollte ihre Tore nicht öffnen.

Der Unabhängigkeitskrieg
Der Staat Israel hätte nie ins Leben gerufen werden können, wenn es zuvor keine Siedlungsbestrebungen gegeben hätte, die dem zukünftigen Staat eine solide Grundlage boten. Harte Aufbauarbeit, politische Bestrebungen und der eiserne Wille, nicht mehr der Spielball geschichtlicher Willkür zu sein, trugen massiv zur Staatgründung bei.
in Meilenstein für die Geschichte Israels ist wohl die UN-Resolution 181, besser bekannt als der UN-Teilungsplan von 1947, in dem die UN-Vollversammlung, einschließlich USA, UDSSR und die Ostblockstaaten, einer Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat zustimmte. Schon zu diesem Zeitpunkt lehnten ausnahmslos alle arabischen Staaten diesen Plan vehement ab und tun dies z.T. immer noch.
Nun hatten die Engländer für den 15.05.1948 ihren Abzug und die Aufgabe ihres Mandats in Palästina angekündigt. Schon am Vorabend dieses Tages, am 14.05.1948, rief David Ben Gurion, eine Hauptfigur des jüdischen Siedlungswerkes und später der erste Ministerpräsident, den Staat Israel aus. Bereits in der Nacht zum 15. Mai marschierten die Armeen aller arabischen Nachbarländer und die des Iraks und Saudi Arabiens in das ehemalige Mandatsgebiet ein und besetzten zuerst die Gebiete, die laut Teilungsplan arabisch sein sollten. Die Situation für Israel sah nicht gut aus, denn so etwas wie eine einheitliche Armee gab es nicht, nur einzelne sich z.T. rivalisierende Streitverbände. Doch im Verlauf des Krieges verbesserte sich die Situation für den jüdischen Staat und er konnte aus seiner defensiven Haltung heraustreten und seine Feinde bis weit hinter die international anerkannten Grenzen zurückwerfen.
Zwischen Februar und Juli 1949 wurden Waffenstillstandsabkommen mit allen kriegführenden Ländern abgeschlossen, wichtig hierbei ist, dass es sich um reine Waffenstillstandsabkommen handelte, nicht um Friedensabkommen.
Somit gilt der wohl gefährdetste Punkt der gesamten Geschichte des Staates Israel für überwunden.

Die Immigration
Als nun die äußere Gefahr vorerst abgewandt worden war und man sich um die wesentlichen Dinge des Staatslebens kümmern konnte, stellten sich Israel neue Probleme in den Weg.
Nach der Aufhebung des Einwanderungsstopps und dem Aufruf an die jüdische Bevölkerung in der ganzen Welt, ihren Wohnsitz zu verlassen, um daraufhin nach Israel zu emigrieren, kamen in den Jahren zwischen 1948 und 1951 knapp 700.000 Juden in das Land. Dadurch, dass im Unabhängigkeitskrieg die Fronten gegen Israel sich verhärtet hatten, schien es fast unmöglich, dass die jüdische Bevölkerung der arabischen Länder ausreisen durfte. Die z.T. spektakulären, teilweise illegalen, Einwanderungsaktionen, die meistens unter dem Einsatz von Schiffen und, falls der Seeweg dazu nicht vorhanden war, mit Flugzeugen durchgeführt wurden, und der riesige logistische Aufwand, der betrieben wurde, geben nur einen kleinen Eindruck davon, wie viel Arbeit in die Einwanderung seitens der israelischen Regierung gesteckt wurde.
Nun kam folgendes Problem auf: Viele der Neuankömmlinge waren entweder alt und gebrechlich, unalphabetisiert, oder waren durch die Vergangenheit in Nazideutschland so traumatisiert, dass es schwer war, sie in das neue System und dessen Produktionsprozess einzugliedern, noch dazu fehlte es anfangs an Immobilien, die diese Menschenmenge aufnehmen sollten. Hierzu wurden provisorische Zeltcamps und Asbestbaracken eingerichtet, um den Menschen zumindest vorübergehend eine Unterkunft zu gewähren. Später wurden landwirtschaftliche Siedlungsformen wie die Kibbuzim und der Moschaw, die z.T. noch aus vorstaatlicher Zeit stammten, errichtet.
Trotz vieler anfänglicher Fehler und Mängel ist es überaus beeindruckend, wie innerhalb einer so kurzen Zeit eine so gewaltige Zahl an Menschen, die noch dazu aus extrem verschiedenen Kulturkreisen stammten, in ein noch nicht lange bestehendes politisches System eingegliedert wurden.

Die Zeit der Kriege
In der Erklärung zur Errichtung des Staates Israel heißt es: »Israel bietet allen Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft«. Dieser Aufruf, von allen israelischen Ministerpräsidenten wiederholt, wurde entweder hartnäckig ignoriert oder zurückgewiesen. Terroristische Überfälle durch Araber auf israelische Siedlungen wurden fortgesetzt. Dies geschah mit Unterstützung und Förderung der arabischen Staaten, die außerdem einen wirtschaftlichen und diplomatischen Boykott einleiteten, internationale Wasserstraßen für die israelische Schifffahrt blockierten und offenen Krieg provozierten.

Die Suezkrise (1956)
Im Laufe des Jahres 1956 verschärfte sich der Konflikt zwischen Ägypten und Israel, das sich zunehmend Angriffen durch Fedajin von ägyptischem Territorium und vom ägyptisch besetzten Gaza-Streifen aus erwehren musste. Ägypten, nun unter der Führung von Präsident Gamal Abdel Nasser, blockierte den Golf von Akaba, sperrte den Suezkanal für israelische Schiffe und verletzte somit Internationales Recht. Zugleich bildete Ägypten gemeinsam mit Jordanien und Syrien ein »Vereinigtes Arabisches Oberkommando«, das aber faktisch nur wenig Befugnisse hatte.
Um den Seehandelsweg der ägyptischen Willkür zu entziehen, beschloss die israelische Regierung, nach mehreren geheimen Treffen mit England und Frankreich, in die Sinaihalbinsel einzumarschieren und den Suezkanal zu besetzen, wobei England und Frankreich die Rolle als »ehrlicher Makler« zukommen sollte. Letztere griffen erst in das Kriegsgeschehen ein, nachdem Ägypten das von ihnen gestellte Ultimatum, sich zehn Meilen hinter den Suez-Kanal zurückzuziehen und damit die ganze Sinai-Halbinsel zu räumen, zurückwies. Am 31. Oktober begannen Großbritannien und Frankreich mit der Bombardierung ägyptischer Flughäfen.
Die europäischen Mächte erhielten in dem Konflikt keine Rückendeckung von Seiten der Vereinigten Staaten. Diese erachteten vor dem Hintergrund des Kalten Krieges gute Beziehungen zu Staaten der Dritten Welt für wichtiger als englisch-französische Macht- und Wirtschaftsinteressen. Zudem - vielleicht noch wichtiger - wollten sie ein Ausufern des Konflikts zu einem größeren Krieg verhindern, nachdem die UdSSR gedroht hatte, Ägypten militärisch zu unterstützen. Die britisch-französische Intervention wurde daher von den USA und der UNO verurteilt, im November 1956 wurden Großbritannien und Frankreich zum Waffenstillstand und Rückzug gezwungen. Die USA drohten Großbritannien auch mit der Veräußerung von Reserven an britischer Währung, was deren Kurs hätte einbrechen lassen. Die Vereinten Nationen stationierten nach dem Rückzug die Friedenstruppe UNEF.

Israel ist aus dieser Kampagne innerlich und auch äußerlich gestärkt hervorgegangen. Hatte man bisher den jungen Staat als ein zerbrechliches Provisorium angesehen, bei dem sich sowohl die internationale Staatengemeinschaft, als auch Israel selbst nicht sicher waren, ob er denn letztlich genügend Durchhaltekraft habe, so waren solche Selbstzweifel verschwunden und auch die Außenwelt blickte mit einer neuen Achtung auf den Judenstaat, denn da es wohl doch nicht so leicht schien, diesen Staat von der Oberfläche verschwinden zu lassen, schien es für westliche Staaten rentabel zu sein, Investitionen zu machen.

Wenn man sich den weiteren Verlauf der Geschichte Israels betrachtet, sticht folgender Aspekt besonders hervor, dass sich Israel zu aller erst, und das auch berechtigt, darum bemühte, seine Existenz zu sichern, wobei andere Gesichtspunkte, wie z.B. die Integration von Einwanderern oder die soziale Kluft zwischen aschkenasischen, gemeint sind damit die Juden Mittel- und Osteuropas, die eine gemeinsame religiöse Tradition, Kultur und die Jiddische Sprache verbindet, und orientalischen, meistens aus dem Nahen Osten und Nordafrika, sie bezeichnen sich auch als Sepharden, Juden, eher in den Hintergrund gedrängt wurden. Diese sozialen Probleme treten dann erst wieder in Friedenszeiten verstärkt auf und geben dem Staat zu schaffen.

Der Sechs-Tage-Krieg (1967)
Niemand hätte zu Beginn des Jahres 1967 auch nur ahnen können, dass dieses Jahr so weitreichende Konsequenzen für die Geschichte des Nahen Ostens mit sich bringen wird. Nach der Sinai-Kampagne 1956 hatte sich die Lage an der ägyptischen Grenze beruhigt, nur an der jordanischen und syrischen Grenze kam es vereinzelt zu Vorfällen, von denen aber niemand vermuten konnte, dass sie zu einem Krieg führen würden. Bevor es aber zu einer militärischen Auseinandersetzung kam, gab es viele Ursachen, die sicherlich für den weiteren Verlauf des Jahres 1967 ausschlaggebend waren.
So zum Beispiel der Vorwurf Syriens, Israel habe an der syrischen Grenze elf bis dreizehn Brigaden stationiert, um das Nachbarland zwei Tage nach dem Unabhängigkeitstag, am 17. Mai, anzugreifen. Diese Beschuldigung wurde aber nach einer Untersuchung der dort arbeitenden UNO-Botschafter zurückgewiesen, da es, nach deren Ansicht, keine über das normale Maß hinausgehende israelische Truppenkonzentration in dem besagten Abschnitt gäbe.
Des Weiteren erhitzte die jedes Jahr stattfindende Militärparade am Unabhängigkeitstag die Situation, weil dort die kriegerischen und erhitzten Reden israelischer Führer von der arabischen Seite besonders kritisch verfolgt und auch als Drohung verstanden wurden. So hatte zum Beispiel der israelische Oberkommandierende der Streitkräfte und spätere Ministerpräsident Yitzchak Rabin erklärt, dass die syrische Regierung die alleinige Verantwortung bei einer Fortsetzung der Terrorakte habe.
Solche, in der damaligen Situation nicht ungewöhnlichen Vorfälle, obwohl sie nicht besonders gewichtig erscheinen, waren durchaus von ernsterer Natur und entwickelten mit der Zeit eine Eigendynamik, die anscheinend nicht mehr auszuhalten war.
Doch der wohl ausschlaggebende Punkt, der für Israel den Kriegsgrund bedeutete, war die Forderung des Generalstabschefs der ägyptischen Armee, General Fawzy an den Oberkommandierenden der UNO-Truppen im Sinai, »die Anwesenheit der UNO-Truppen in Ägypten und im Gazastreifen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beenden«, mit der Begründung, »dass die ägyptischen Streitkräfte den Befehl erhalten haben, sich zum Kampf gegen Israel vorzubereiten, falls und wann auch immer Tel Aviv gegen irgendein arabisches Land aggressiv werden sollte«. Schon allein diese Forderung war für Israel der Casus Belli, wobei es aber nicht dabei blieb. Nassers Remilitarisierung der Sinaihalbinsel folgte am 22. Mai die Schließung der Straße von Tiran, dem einzigen Zugang Israels zum Roten Meer - über den ein Großteil des Erdölimports abgewickelt wurde, für israelische Schiffe und Schiffe mit »strategischer« Ladung für Israel (worunter auch Öl gefallen wäre). Damit verstieß er gegen internationale Vereinbarungen betreffend der Freiheit der Meere. Von Ägypten wurde angeführt, der Zustand der Feindschaft mit Israel erlaube diese Blockade.
Die Lage spitzte sich also nun immer mehr zu und gipfelte darin, dass am 25. Mai Syrien, Jordanien, der Irak und Saudi Arabien durch Ägypten aufgefordert und ermutigt wurden, ihre Truppen an Israels Grenzen zu stationieren. Der ägyptische Staatspräsident Nasser erklärte am 26. Mai 1967: »Unser Ziel ist die Zerstörung Israels. Das arabische Volk ist bereit, zu kämpfen. ... Sharm El-Sheikh ist eine Konfrontation mit Israel« Diese Staaten schlossen, nach syrisch-ägyptischem Vorbild, untereinander Verteidigungspakte, die dazu führten, dass diese zusammen jetzt in etwa die Truppenstärke der israelischen Armee erreichten. Trotzdem sah keine der drei Großmächte USA, Frankreich und Großbritannien Israel ernsthaft in Gefahr. Die militärischen Analytiker der drei Nationen waren sich nur darin uneinig, ob Israel eine oder zwei Wochen brauchen würde, die arabischen Armeen zu besiegen.
Aufgrund dieser Situation sah sich Israel nur in einer Weise zu verteidigen, nämlich den arabischen Armeen durch einen kurzen aber kräftigen Präventivschlag zuvorzukommen.
Dies geschah am 5. Juni, als die israelische Luftwaffe damit begann, ägyptische Flugfelder im Sinai zu bombardieren.
Innerhalb von nur sechs Tagen wurden dann die Sinaihalbinsel(Ägypten), der Gazastreifen, die Westbank(Jordanien), besser bekannt als das heute von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwaltete Gebiet, und die Golanhöhlen(Syrien) im Norden, erobert.
Das wohl erstaunlichste daran ist, dass nach noch nicht einmal einer Woche ein Land, das sich am äußersten Rand der Bedrohung gesehen hatte, plötzlich ein Gebiet erobert hatte, dass mehr als dreimal so groß ist, wie sein eigenes Territorium. Noch dazu gilt dieser Feldzug in Militärakademien in der ganzen Welt als ein Musterfeldzug, wie er im Buche steht.

Der Yom-Kippur-Krieg (1973)
Der Yom-Kippur-Krieg war 1973 nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (1948), der Suezkrise (1956) und dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 der vierte arabisch-israelische Krieg. Der Krieg begann mit einem Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens auf den Sinai und die Golan-Höhen, die sechs Jahre zuvor von Israel im Zuge des Sechstagekrieges erobert worden waren.

Während der ersten 24-48 Stunden rückte die ägyptische und syrische Armee vor, danach wendete sich das Kriegsglück zugunsten der Israelis. Nach der zweiten Kriegswoche waren die Syrier vollständig aus den Golanhöhen abgedrängt worden. Im Sinai waren die Israelis zwischen zwei einmarschierenden ägyptischen Armeen durchgeschlagen, hatten den Suezkanal (die alte Waffenstillstandslinie) überschritten und eine ganze ägyptische Armee abgeschnitten, bevor der UN-Waffenstillstand in Kraft trat.

Der Krieg hatte weitreichende Folgen für viele Staaten. Die arabische Welt, die durch die vollständige Niederlage der ägyptisch-syrisch-jordanischen Allianz des Sechstagekriegs gedemütigt war, konnte aus den anfänglichen Erfolgen des Krieges psychologische Vorteile ziehen.

Das bürgerliche Israel unter Menachmen Begin
Seit fast dreißig Jahren, also seit der Staatsgründung, hatte die Arbeiterpartei mit ihren verschiedenen Koalitionen regiert, wobei sich aber ihre Kraft und ihr Elan mit der Zeit allmählich abbauten. Sämtliche Streitigkeiten und Zersplitterungen waren es, die schließlich dazu führten, dass es 1977 zu einer Wende zugunsten des bürgerlichen Lagers kam. Nun betritt der Likud (=Sammlung), ein Zusammenschluss von Mitte-Rechts-Kräften, der vor den Wahlen 1973 entstanden ist, die politische Bühne Israels.

Der erste Friedensvertrag mit einem arabischen Land
Schon nach einer halbjährigen Regierungszeit des Likudblocks, kam es zu einem Ereignis, an das niemand auch nur im Traum gedacht hätte. Anwar El-Sadat, der Kriegsherr von 1973, der Führer der größten arabischen Macht, der größten Bedrohung Israels seit dessen Bestehen, war am 19. November 1977 zu Besuch nach Jerusalem gekommen. Dieser Besuch war eine totale Überraschung, und doch hatte es Anzeichen für eine Veränderung, für die Öffentlichkeit allerdings kaum wahrnehmbar, gegeben. Mit seinem zweitägigen Besuch, bei dem er auch vor der Knesset, dem israelischen Parlament, sprach, schaffte der ägyptische Präsident ein neues psychologisches Klima im Nahen Osten, und ein Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn schien erstmals eine Option zu sein. Sadat erkannte das Existenzrecht Israels an und legte mit seinem Besuch die Grundlage für direkte Verhandlungen zwischen Ägypten und Israel.

Im September 1978 lud der damalige U.S.-Präsident Jimmy Carter Sadat und Begin nach Camp David ein und am 11. September einigten sich die beiden Seiten auf Rahmenbedingungen für einen Frieden zwischen den beiden Ländern und einen umfassenden Frieden im Nahen Osten. Bei dem Treffen wurden Prinzipien für zukünftige Verhandlungen mit arabischen Ländern festgelegt. Außerdem wurden hier vage Leitlinien für ein vorübergehendes Regime im Westjordanland und Gaza beschlossen. Der Vertrag wurde am 26. März 1979 von Begin und Sadat mit Carter als Zeugen unterzeichnet, die drei wurden später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im Sinne des Vertrages übergab Israel im April 1982 den Sinai an Ägypten, zuvor wurden dort bereits angelegte Siedlungen abgebaut. Diesen Abbau führte Ariel Scharon gründlich und teilweise gegen den Widerstand der jüdischen Siedler durch. 1989 einigten sich die beiden Staaten auf eine Lösung für Taba, einen Ferienort am Golf von Akaba.

In dem Vertrag, auch Camp David I genannt, heißt es unter anderem: »Der Frieden erfordert die Respektierung der Souveränität, der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit aller Staaten in dem Gebiet und ihr Recht, in Frieden innerhalb gesicherter und anerkannter Grenzen ohne Bedrohung oder Gewaltanwendung zu leben.«

Kriegerische Verwicklungen im Libanon
Da die PLO nach ihrer Festsetzung im südlichen Libanon immer wieder Angriffe auf Israel startete, begann Israel am 6. Juni 1982 mit einem Angriff auf den Libanon. Ziel war die Zerschlagung der militärischen PLO-Organisation durch den Vormarsch bis Beirut, von wo aus die PLO ihre Aktionen koordinierte. In Westbeirut wurden 10.000 PLO-Kämpfer von den israelischen Truppen eingeschlossen und zur Aufgabe aufgefordert.

Während der Belagerung kam es zu Massakern mit rund 2500 Toten in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila durch die christlichen Phalange-Milizen der Maroniten, als Präsident Bashir Gemayel (Maronit) ermordet wurde. Das israelische Militär griff nicht ein, um die Massaker zu verhindern. Ende August musste sich die PLO auf Druck Israels aus dem Libanon zurückziehen und richtete in Tunis ihr neues Hauptquartier ein. Mit ein Grund für den schnellen Sieg Israels über die PLO war dabei, dass die syrische und libanesische Armee nicht in die Kämpfe zu Gunsten der PLO eingriffen, da Syrien und Libanon ein eigenes Interesse daran hatten, die PLO als regionalen Machtfaktor auszuschalten.

Israel hielt den südlichen Libanon zunächst bis 1985 besetzt und richtete danach eine Sicherheitszone im Vorfeld der israelischen Grenze ein, um Angriffe auf Israel verhindern zu können. Erst am 24. Mai 2000 wurde die Sicherheitszone von Israel endgültig geräumt; Teile der dortigen libanesischen Bevölkerung, insbesondere Milizionäre der mit Israel kollaborierenden SLA und deren Familien, siedelten nach Israel über, da sie einerseits mit Strafverfolgung durch den libanesischen Staat rechnen mussten, andererseits Racheakte und Lynchjustiz befürchteten. Mit dem Libanon bestehen allerdings bis heute Streitigkeiten um ein 25 Quadratkilometer großes Gebiet um die so genannten Shebaa-Farmen. Die Staatszugehörigkeit dieser Flächen am Fuß der Golanhöhen ist nicht eindeutig geklärt.
Die Sicherheitszone erfüllte ihren Zweck nur bedingt. Bis zuletzt kam es immer wieder zu Angriffen der Hisbollah mit Katyusha-Raketen auf nordisraelische Siedlungen, vor allem auf Kiryat Shmona. Opfer waren vor allem israelische Zivilisten.

Infolge des Libanon-Feldzugs und des Massakers von Sabra und Schatila musste Ariel Scharon, der zu diesem Zeitpunkt das Amt des Verteidigungsministers innehatte, 1983 nach einem Prozess in Israel, zurücktreten. Seine Verantwortung für den Krieg wird noch heute oftmals hervorgehoben.

Die erste Intifada
Die Ursachen für den palästinensischen Volksaufstand sind vielfältig. Demografisch betrachtet gehörten beispielsweise die palästinensischen Fertilitätsraten während der 1980iger Jahre zu den höchsten weltweit. Es entwickelte sich eine extrem junge Gesellschaft - so war nahezu die Hälfte der Palästinenser jünger als 15 Jahre und 70% unter 30. Zudem wurden das Westjordanland und der Gazastreifen seit 1967 durch Israel besetzt. Eine ganze Generation wuchs unter der israelischen Besatzung auf und gleichzeitig in dem Bewusstsein, dass der jahrzehntelange Kampf der PLO gegen Israel keinerlei Verbesserung für die inner- und außerhalb der besetzten Gebiete lebenden Palästinenser gebracht hatte. Besonders die andauernde jüdische Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten sorgte für Spannung. Hatte es vor 1977, also vor der Machtübernahme des Likud, nur ca. 3000 Siedler, vorwiegend in arabisch dünn oder zuvor nicht besiedelten Gebieten, gegeben, so waren es 1987, vor Ausbruch der Intifada, bereits 60.000 bis 70.000 Siedler, die sich gerade auch im Herzen des arabischen Siedlungsbereiches niederließen. Mit der stetigen Intensivierung der Siedlungstätigkeit nahm auch der Widerstand zu, und so häuften sich Terrorakte und Angriffe von kleinen palästinensischen Kampfeinheiten. Neu aber waren sporadische und spontane Überfälle, Messerstechereien, Molotowcocktailangriffe und Feuerüberfälle in den besetzten Gebieten und auch im Kernland Israels. Der Terror individualisierte sich zunehmend und geriet schließlich außer Kontrolle. Am 9. Dezember 1987 brach dann die Intifada, zu Deutsch »Erwachen«, in Gaza los. Der Auslöser, der das Fass zum Überlaufen brachte, war ein Verkehrsunfall eines israelischen Militärlastwagens, wobei vier Palästinenser umkamen. In den Palästinensergebieten vermutete man einen Vergeltungsakt für einen zuvor im Gazastreifen erstochenen Israeli. Zunächst im Gazastreifen kam es schon während des Begräbnisses der vier Toten zu Massendemonstrationen und spontanen Ausschreitungen gegen israelische Soldaten, in denen sich die aufgestaute Wut der palästinensischen Jugend auf die Besatzer entlud. Als dem Aufstand nicht beizukommen war, reagierte das Militär irritiert mit ungewöhnlicher Strenge und ohne einheitliches Konzept. Das israelische Militär war schließlich dazu ausgebildet worden, gegen fremde Heere zu kämpfen, nicht einen Volksaufstand niederzuschlagen.
Der Kampf wurde auf beiden Seiten immer brutaler geführt und in den ersten Monaten kamen monatlich Dutzende Palästinenser ums Leben. Im weiteren Verlauf der Intifada ebbte die Gewalt immer weiter ab, bis sie dann durch ein einschneidendes Ereignis wieder angestachelt wurde, wie z.B. das Massaker von israelischen Grenzpolizisten, das die in Panik geratenen Ordnungshüter auf dem Tempelberg 1990 verursachten. Die Intifada entwickelte sich mehr und mehr zu einer Fehde verfeindeter palästinensischer Gruppen. Noch dazu wurden immer mehr Palästinenser durch ihre Landsleute getötet, weil man vermutete, dass diese Kollaborateure waren. So wurden in den ersten vier Jahren der Intifada 500 Palästinenser durch ihre eigenen Leute getötet wo hingegen das IDF (= Israel Defense Force) »nur« 1000 getötet hatte.

Die Intifada und ihre Gegenmaßnahmen haben sich im Laufe der Jahre eingependelt. Sie war zu schwach, als dass sie den israelischen Staat wirklich zum Einlenken hätte bewegen können. Sie hatte aber neue Tatsachen geschaffen. Die meisten Israelis, bis auf die Siedler, fuhren nicht mehr in die besetzen Gebiete, und es war klar, dass es kein Zurück mehr zum Staus quo vor der Intifada gab.

Ab 1991 ging die Gewaltintensität deutlich zurück und die Oslo-Abkommen von 1993 stellten das Ende der ersten Intifada dar.

Die Verträge von Oslo
Im Frühling 1993 nahm eine kleine Gruppe israelischer Intellektueller und einige fortschrittliche Funktionäre der Arbeiterpartei durch Vermittlung norwegischer Kreise Geheimverhandlungen mit Vertretern der PLO auf. An der Spitze der israelischen Delegation stand der Stellvertretende Außenminister Jossi Beilin und auf der Seite der Palästinenser war es die rechte Hand Jasser Arafats, Abu Masen, besser bekannt als Mahmoud Abbas, der heutige palästinensische Ministerpräsident. Von Januar bis August trafen sich diese Interessensparteien fünfzehn Mal in Oslo, um über die weitere Entwicklung des Nahen Ostens zu sprechen.
Die Regierungschefs beider Parteien wurden erst in der Endphase über diese Gespräche informiert und gaben Anfang September ihr Placet.
Am 12. August stimmte das israelische Parlament direkten Verhandlungen mit der PLO zu. Am 30. August informierte der Ministerpräsident Yitzhak Rabin die Knesset über die laufenden Verhandlungen mit den Palästinensern und den nahen Abschluss eines Abkommens über eine palästinensische Selbstverwaltung in Jericho und Gaza. Am 4. September gab das Zentralkomitee der PLO ihr grundsätzliches Einverständnis.

Das Abkommen enthielt die allgemeine Vereinbarung, die Verantwortung im Gazastreifen und im Westjordanland auf die Palästinenser zu übertragen und ihnen eine autonome Regelung ihrer Angelegenheiten zu gewähren. Umstrittene Themen wie der Status Jerusalems, die Flüchtlingsfrage oder die Siedlungen im Westjordanland wurden in dem Abkommen noch nicht behandelt. Details sollten in weiteren Verhandlungen festgelegt werden.

Am 13. September 1993 kam es dann zu dem historischen Händedruck auf der Wiese vor dem Weißen Haus in Washington unter amerikanischer Schutzherrschaft zwischen dem Vorsitzenden der PLO, Jasser Arafat, und dem israelischen Ministerpräsidenten, Yitzhak Rabin. Der wichtigste Schritt auf dem Weg zu Frieden im Nahen Osten war gemacht. Allerdings war es von Anfang an klar, dass dies nur ein erster Anfang sein konnte, ein Rahmen für weitere Schritte und Verhandlungen, eine Absichtserklärung, den gegenseitigen Konflikt statt wie bisher mit Gewalt in Zukunft nur mit friedlichen Mitteln zu lösen.

Das Gaza - Jericho Abkommen
Bevor es zur Unterzeichnung dieses Abkommens am 04.05.1994 in Kairo kam, wurde es von Rabin am 11.04. der Knesset dargelegt: »...Es gibt kein Abkommen, mit dem wir alle zufrieden sein können. Es kann kein Abkommen ohne Kompromisse und Zugeständnisse von beiden Parteien geben, wenn wir wollen, dass es von beiden Seiten eingehalten wird.«

Das Abkommen sichert den Palästinensern die Selbstverwaltung im Gaza - Streifen und im Gebiet Jericho zu. Allerdings wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Hoheitsgewalt der palästinensischen Selbstverwaltungsbehörde sich nicht auf äußere Sicherheit, die Sicherheit der Israelis in den besetzten Gebieten, die Sicherheit der israelischen Siedlungen und auswärtige Beziehungen erstreckt.
Kurz bevor Rabin die Dokumente des Abkommens unterzeichnete, kam es noch zu einem Eklat, der das Ganze beinahe scheitern ließ: Arafat hatte auf einigen Karten, die das Gebiet von Jericho betrafen, nicht unterschrieben. Vermutlich, um seinen Anhängern zu demonstrieren, dass er sich von den Israelis nichts aufdiktieren lassen wollte, denn um das Jericho - Gebiet hatte es im Vorfeld langwierige Verhandlungen gegeben. Rabin seinerseits weigerte sich, mit dem Prozess fortzufahren, solange Arafat nicht auf den Karten unterschrieben hatte. Hinter den Kulissen brachte Ägyptens Präsident Mubarak schließlich Arafat dazu, seinen Namen unter die Karten zu setzten.

Dieses Verhalten von Arafat trug nicht dazu bei, dass Rabins Vertrauen in Arafat stieg, und außerdem zeigt diese Szene, dass der gesamte Friedensprozess noch in den Kinderschuhen steckte und überdies auf einem sehr wackligen Fundament gegründet war.
Rabin hielt seine Verpflichtungen aus dem Abkommen und zog die israelische Armee am 13.05. aus Jericho und am 17.05. aus zwei Dritteln des Gazastreifens ab. Daraufhin zieht Jassir Arafat am 01.07.1994 in Gaza - Stadt ein.
Jitzhak Rabin, Schimon Peres und Jassir Arafat erhalten für diese beiden Abkommen, die einen historischen Schritt in der Beziehung zwischen Israel und der PLO darstellten, den Friedensnobelpreis.
In Taba (Ägypten) unterzeichneten Rabin und Arafat am 28. September 1995 das »Abkommen über die Autonomie des Westjordanlands« (auch Oslo II genannt). Die Palästinenser bekamen insgesamt nur über etwa 1/3 des Westjordanlands die autonome Herrschaft zugesprochen, da jüdische Siedlungen und Militärstützpunkte von dem Abkommen ausgeklammert blieben.
Nach der Ermordung Rabins 1995 durch einen national-religiösen Fanatiker, gerieten die Verhandlungen und der gesamte Friedensprozess ins Stocken.
Politischer Stillstand unter Benjamin Netanjahu im Jahr 1996, nach mehreren Selbstmordattentaten am Anfang des Jahres, gewinnt der Hardliner Benjamin Netanjahu knapp vor Schimon Peres die Wahlen und wird neuer Premierminister. Schnell wird deutlich, dass es unter seiner Führung zu keinen weiteren großen Schritten im Friedensprozess kommen wird. Nach konsequenter Weigerung Israels, die Siedlungen ohne Vorleistungen zu räumen, kommt es zu gewalttätigen Aufständen der Palästinenser sowie zu Übergriffen auf die palästinensische Zivilbevölkerung. Seine kompromisslose Politik schien zunächst zu wirken: anders als unter seinem Vorgänger und Nachfolger gab es unter seiner Regierung relativ wenige Selbstmordanschläge innerhalb Israels. Im Jahre 1996 entschieden er und der Bürgermeister Jerusalems Ehud Olmert allerdings, einen Ausgang für den Klagemauer-Tunnel zu öffnen. Dies hatte dreitägige Unruhen der Palästinenser mit zahlreichen Toten auf beiden Seiten zur Folge. Trotz seiner teilweisen Erfolge gegen den Terrorismus lehnten die meisten Eliten und linken Medien Netanjahus Politik ab. Nach einer langen Kette von Skandalen (einschließlich Gerüchten um seine Ehefrau), und nachdem eine Untersuchung wegen Korruption gegen ihn initiiert wurde, verlor Netanjahu das Vertrauen in der israelischen Öffentlichkeit. Netanjahu wurde in den Wahlen von 1999 von Ehud Barak geschlagen und zog sich zeitweise aus der Politik zurück.

Barak strebte eine rasche Durchsetzung des Wye-Abkommens, das ein Interimsabkommen war, das den weiteren Truppenabzug der Zahal, aus dem Westjordanland regeln sollte, und Verhandlungen über einen Endstatus an. Er setzte das Interimsabkommen über das Westjordanland und den Gazastreifen vom 28. September 1995 um. So kam es zu einem Folgeabkommen in Scharm el Scheich (Ägypten), das am 5. September 1999 von Barak und Arafat unterzeichnet wurde. Die Verhandlungen um die Streitpunkte Jerusalem, Flüchtlingsfrage, Grenzziehung und den Status der jüdischen Siedlungen stellten sich aber als schwierig und sehr langwierig heraus.
Im Juli 2000 trafen sich Barak und Arafat unter Vermittlung der USA in Camp David, um ein letztes Mal zu versuchen, eine Übereinkunft über einen permanenten Status zu finden, auch bekannt als Camp David II. Am 25. Juli wurden die Verhandlungen jedoch ohne Übereinkunft abgebrochen, da vor allem der Streit um den Status Jerusalems nicht geklärt werden konnte.

Mit dem Ausbruch der zweiten Intifada im September 2000 war eine endgültige Lösung des Konflikts wieder in weite Ferne gerückt.

Die Al-Aqsa Intifada
»Welche Gewalt meinen sie?«, Jasser Arafat auf die Forderung Schimon Peres’, die palästinensischen Gewalttaten zu beenden, 14.01.2001.
Die israelische Seite sieht das Scheitern der Verhandlungen in Camp David am 25. Juli 2000 als Auslöser an, und nicht Ariel Scharons Besuch auf dem Tempelberg, denn bereits am Tag zuvor war bei der Explosion einer Bombe am Grenzübergang Netzarim ein israelischer Soldat ums Leben gekommen. Nach Darstellung der Palästinenser löste der Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg am 28. September die Protestaktionen spontan aus. Die gewalttätigen Proteste wurden durch die Polizei unter Waffeneinsatz zurückgedrängt. Dabei wurden vier Personen getötet und etwa zweihundert verletzt. Auch vierzehn Polizisten wurden verletzt. Dieses Ereignis bildete mit den Demonstrationen der folgenden Tage den Anfangspunkt der Al-Aqsa-Intifada.

Nach israelischer Darstellung habe der palästinensische Sicherheitschef Dschibril Radschub sein Einverständnis für Sharons Besuch gegeben, sofern dieser keine Moschee betrete. Der Polizeieinsatz sei nötig gewesen, weil das palästinensische Radio dazu aufgerufen habe, die Moschee zu verteidigen und die palästinensische Polizei in letzter Minute erklärt habe, nichts gegen gewaltsame Demonstrationen zu unternehmen.

Der palästinensische Kommunikationsminister Imad Faludschi hatte erklärt, der Einsatz von Gewalt sei bereits im Juli geplant worden, nachdem Jassir Arafat von Camp David zurückgekehrt sei.

Zahlreiche Führungsmitglieder palästinensischer Fraktionen und Parteien sowie Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde erklärten vor dem Beginn der Al-Aqsa-Intifada, dass der Staat Israel nur durch Gewalt zu Konzessionen zu bewegen sei. Der israelische Rückzug aus dem Südlibanon aufgrund der anhaltenden Anschläge der Hisbollah wurde als Beispiel gesehen, das sich auf die palästinensischen Gebiete übertragen ließe.

Ende März 2004 hatte die israelische Armee den spirituellen Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin getötet und Mitte April starb auch sein Nachfolger Abd al-Aziz al-Rantisi durch einen gezielten Raketenangriff. Für Konfliktpotential sorgte in den letzten Monaten außerdem der Bau eines Sperrzauns an der Grenze zum Gazastreifen und zum Westjordanland, durch dessen Verlauf Teile des palästinensischen Gebietes, nach Ansicht einiger, faktisch annektiert werden. Der exakte Verlauf des Zaunes, der dazu da ist, das Einsickern von Attentätern zu verhindern, ist auch Gegenstand intensiver innerisraelischer Debatten.
Mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen dem neuen Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon im ägyptischen Scharm al-Scheich im Februar 2005 gilt die Al-Aqsa-Intifada offiziell als beendet.

Die Weitere Entwicklung im Nahen Osten
Im August begann die einen Monat dauernde Räumung aller 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen sowie 4 weiterer im Westjordanland durch die israelische Armee. Dabei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Armeeangehörigen. Etwa 8000 Menschen wurden bei dieser Aktion umgesiedelt. Dies war wohl das größte Zugeständnis Israels an die Palästinenser seit Gründung des Staates und scheint neue Perspektiven für einen Frieden zu öffnen.
Aufgrund mehrerer Unstimmigkeiten im Regierungskabinett wegen der Räumung des Gazastreifens, trat Scharon aus dem Likud zurück und gründete eine neue Partei. Da aber Scharon am 18. Dezember einen Schlaganfall erlitt, gilt es als sicher, dass er sein Amt nicht mehr ausüben können wird. Dies bringt eine schwierige Situation für die israelische Politik mit sich, da insbesondere die in den letzten Jahren verfolgte Politik gegenüber den Palästinensern und die neue Partei Kadima mit der Person Ariel Scharons eng verbunden sind.

Nachwort
Nach Abschluss dieses geschichtlichen Überblicks wird deutlich, dass Israel im sechsten Jahrzehnt seines Bestehens weit davon entfernt ist, alle Probleme, die ihm zum Teil mit in die Wiege gelegt worden waren, gelöst zu haben. Vor allem ist das Hauptziel des Staates, die Erreichung des Friedens, noch nicht Wirklichkeit geworden. Die Vergangenheit, die die Notwendigkeit zu einem jüdischen Staat hervorgerufen hat, ist weiterhin lebendig. Dies ist das jüdisch-israelische Trauma, mit dem die Staatsgeschichte anfängt und aufhört.
Dies kommt auch in der Antwortrede des damaligen Staatschefs, Ehud Barak, in Jad Vaschem in Jerusalem vor Papst Johannes Paul II. im März 200 bei dessen historischen Besuch zum Ausdruck. Es ist die Antwort, die auch noch in fünfzig Jahren ihre Gültigkeit haben wird, die Räson des Staates und seine Berechtigung:

»Die Errichtung des Staates Israel gegen alle Widerstände und die Sammlung der Verstreuten hat die Ehre des jüdischen Volkes wieder hergestellt und die Herrschaft über sein Schicksal. Dies ist die endgültige und bleibende Antwort auf Auschwitz. Wir sind nach Hause zurückgekehrt und kein Jude wird mehr hilflos sein oder des letzten Fetzens seiner menschlichen Würde beraubt werden. Hier ist die Wiege unserer Kultur. Wir haben unser Haus wieder aufgebaut.«

Gravierende Ereignisse, die auch in der Weltöffentlichkeit verstärkt wahrgenommen wurden:

  • der Tod eines zwölfjährigen palästinensischen Jungen in einer Schießerei bei Netzarim vor laufenden Kameras Anfang Oktober 2000
  • der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah zehn Tage später, ebenfalls vor laufenden Kameras
  • die weitgehende Zerstörung des palästinensischen Flüchtlingslagers Dschenin durch israelische Truppen, begleitet von zahlreichen Toten unter den Einwohnern des Lagers (eine von der UNO durchzuführende Untersuchung der Ereignisse wurde von der israelischen Regierung verhindert) (April 2002)
  • ein Selbstmordattentat in einer Warteschlange vor einer Disko in Tel Aviv im Juni 2001 mit 20 Toten
  • die gezielte Tötung des PFLP-Führers Abu Ali Mustafa im August 2001
  • die fast vollständige Zerstörung von Arafats Hauptquartier im Sommer 2002
  • das wiederholte Einrücken der israelischen Armee in palästinensische Autonomiestädte
  • diverse gezielte Tötungen von Führern der Hamas durch die israelische Armee, oft mit unbeteiligten Opfern
  • diverse Anschläge auf jüdische Linienbusse mit jeweils teilweise mehr als 20 Toten
  • die beiden großen Militäraktionen »Operation Regenbogen« und  »Tage der Buße« im Frühjahr bzw. Herbst 2004.