ESOTERIKIrrationale Heilsversprechen

Seit dem Umbruch 1990 ist im gesamten gesellschaftspolitischen Bereich ein konservativer Roll-Back zu verzeichnen. Die Kluft zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander und die Verwertung der Menschen wird mit immer brutaleren Methoden erzwungen. Krieg findet wieder innerhalb Europas statt und Deutschlands außenpolitisches Machtgebaren wird von einem grassierenden mörderischen Rassismus im Inneren begleitet.

Antisemitismus herrscht abermals in einem Ausmaß, das vor zehn Jahren noch nicht für möglich gehalten wurde. Mit dem Erstarken des rechts-nationalen Lagers und der Niederlage der realsozialistischen Gesellschaftsordnungen ging die Selbstauflösung ehemals linker, fortschrittlicher, emanzipatorischer Gruppierungen und Projekte im Westen einher. Die meisten der in der Folge der 68er Rebellion gegründeten Gruppen und Organisationen lösten sich entweder auf oder wandelten sich zu systemkonformen, staatstragenden Verbänden. Die große Masse der ehemals gesellschaftskritisch engagierten Menschen sitzt, falls sie nicht der Alkohol oder diverse andere Drogen dahingerafft haben, nach langem Studium und Besuchen verschiedenster K-Gruppen vorwiegend in beruflichen Bereichen der Sozialwissenschaften, der Pädagogik, der Psychologie, verschiedenen Möglichkeiten der Psychotherapie oder anderen Geisteswissenschaften. Also alles Menschen, die wissen könnten, wie das menschliche Denken abläuft, gesellschaftliche Zusammenhänge funktionieren und im allgemeinen sich der Wissenschaft verpflichtet fühlen sollten.
Doch weit gefehlt.
Gerade autoritäre und elitäre "Therapien" und Gurus finden neuerdings in den gebildeteren Schichten großen Anklang. Das hat mehrere Gründe. Zum Einen wissen viele Pädagogen, Psychologen und Therapeuten mit den extremen Massen an psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten nicht mehr weiter. Der Griff nach autoritären Mitteln und Methoden liegt nahe, da diese in der Regel die einfachsten Lösungen bieten. Statt aber nun auf den Gedanken zu kommen, dass es diese Gesellschaft ist, die krank macht, sehnen sie sich die "guten alten Zeiten" herbei, ohne Fernseher, Konsolen und Konsumartikeln. Gerade hier greifen oft schon die antizivilisatorischen Elemente der Esoterik. Ein anderer Grund, warum oft gerade gebildete Menschen auf diesen Schwachsinn abfahren, ist die Tatsache, dass sie sich selbst als Elite oder Advantgarde fühlen. Zur Gruppe der "Wissenden" zu gehören, stellt für sie einen besonderen Reiz dar.
Es ist also nicht verwunderlich, dass Hellinger-Jünger an Hochschulen unterrichten und seine Veröffentlichungen in keiner der Uni- oder FH -Bibliotheken fehlen.
Auch die Waldorfeinrichtungen, die allein schon aus finanziellen Gründen nicht von Arbeiter- oder Migrantenkindern besucht werden, erfreuen sich hoher Besucherzahlen (Allein 70 000 SchülerInnen). Die Produkte der anthroposophischen Firmen Demeter, Weleda und Wala finden reißenden Absatz und sind nur für Menschen mit entsprechender finanzieller Ausstattung bezahlbar.
Es kann also nicht behauptet werden, dass gebildetere Schichten weniger anfällig für Esoterik und Irrationalismus wären. Eines zeigt sich jedoch deutlich: Esoteriker aus gebildeten Schichten fungieren eher als "Therapeuten", während Menschen aus unteren sozialen Schichten meist die sind, die Hilfe suchen. (Was sich leicht auf die Lebenssituation zurückführen lässt.)

Alter Wein in neuen Schläuchen
Egal ob es sich um Heilsversprechen eines Bert Hellinger oder die Festhaltetherapie von J. Prekop, Rüdiger Dahlkes Buch "Krankheit als Weg" oder wenn’s sein muss sogar die Super-Nanny handelt – diese Menschen und ihre Botschaften passen in diese unsere Zeit.
Dabei ist es egal, ob es sich um Esoteriker, Psycho-Sekten oder Reality- Soaps handelt – eins haben sie gemein: Diese "Therapieformen" sind für Hilfesuchende gefährlich, da sie nicht lernen, sich aus schädigenden Abhängigkeitsverhältnissen zu lösen und eigene auf ihre Persönlichkeit zutreffende Fähigkeiten zur Problemlösung zu entwickeln. Sie müssen sich der autoritären Führung eines Therapeuten unterwerfen, der ihnen die Fähigkeit abspricht, ihre Lebensverhältnisse selbst erklären zu
können. Damit werden Ohnmacht, Abhängigkeit und Unselbstständigkeit der Hilfesuchenden weiter verstärkt.

Die Analyse
Eine Analyse im wissenschaftlichen Sinn ist nicht vorhanden. Es wurden bestimmte "Ordnungen" gebrochen, man hat ein schlechtes Karma oder sonst irgend einen Quatsch. Jegliche gesellschaftlichen und sozialen Ursachen werden ausblendet. An der Tatsache, dass immer mehr Menschen krank werden, weil sie den Belastungen im Alltag nicht standhalten können, ist nicht ein System schuld, dass die Menschen dazu zwingt, sich tagtäglich dem Druck, möglichst gut verwertbar zu sein, aussetzen müssen. Sondern es ist schlicht eine Wasserader unter ihrem Bett, und ihr Rückenleiden kommt nicht von der Schinderei in der Firma, sondern ist ein Zeichen des Geistes für irgendetwas. Für was, erklärt ihnen der Wissende. Der Klient hat nicht die Möglichkeit, seine individuellen Erlebnisse und Erfahrungen, seine Lebensumstände oder persönliche Biographie in die Analyse mit einfließen zu lassen. Einzig und allein der Therapeut hat die Kompetenz, die Ursache des Problems herauszufinden.

Die Therapie
Auch hinsichtlich der Therapie haben die genannten Personen und ihre Weggefährten jedweder Couleur nicht viel zu bieten. Es wird auf althergebrachte Lösungen zurückgegriffen: Die ach so innovative Festhaltetherapie von J. Prekop (Der kleine Tyrann), in der Kinder die ihnen fehlende Liebe und Sicherheit erfahren sollen, ist nichts als eine körperliche Misshandlung, bei der Kinder oft stundenlang von erwachsenen Personen mit Gewalt festgehalten werden. Wie viel da, nach der Lektüre des Bestsellers, in bundesdeutschen Wohnzimmern herumexperimentiert und an kaum wiedergutzumachendem Schaden angerichtet wurde, lässt sich nicht einmal erahnen.

Die Weltanschauung des Alternativmediziners und "Reinkarnationstherapeuten" Rüdiger Dahlke, der ebenfalls ein mehrfacher Bestseller- Autor ist (z.B. "Krankheit als Weg"), lässt sich anhand eines einzigen Zitats feststellen, das er hinsichtlich des Todes eines AIDS-Kranken zum Besten gab: "Nichts geschieht uns zufällig bzw. alles fällt uns gesetzmäßig zu." Jeder ist also seinem Schicksal ausgeliefert oder - und hier steckt ein Widerspruch, der sich durch die gesamte Esoterik zieht - für sein schlechtes Karma selbst verantwortlich.

Alle fortschrittlichen, emanzipatorischen Therapieformen, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, werden so über Bord geworfen. Und sowohl Bert Hellinger als auch die Super-Nanny lassen keine Gelegenheit aus die Nutzlosigkeit wissenschaftlicher und professioneller Therapieformen zu untermauern.
Warum monatelang in Therapie gehen, wenn Bert Hellinger in 20 Minuten helfen kann? Warum zur Familientherapie, anstrengende und unangenehme Selbstreflexionen durchführen, wenn die Super-Nanny mit ihren Antworten ins Haus kommt und den Fall in 14 Tagen löst?

Die Heilsversprechen des Bert Hellinger
Einer der übelsten Schurken dieser Bande ist Bert Hellinger. Auf diesen Herrn möchte ich an dieser Stelle genauer eingehen, da er derzeit einer der wichtigsten, bekanntesten und anerkanntesten Psycho Gurus ist.
Hellinger ist 1925 geboren, ehemaliger Missionar und gilt seit den 90ern als Koryphäe des "systemischen Familienaufstellens", seine Bücher finden reißenden Absatz (z.B. "Zweierlei Glück" erreichte in der 14.Auflage eine Verkaufszahl von über 100 000 Exemplaren.) Seine Heilstheorien sind so einfach wie falsch: Jedes Problem ist daraus zu erklären, dass jemand seine vorgegebene Ordnung (Schicksal, Familie, Volk, Heimat, Geschlecht) verlässt. Es wird davon ausgegangen, dass die "Ordnungen der Liebe" nicht zerstört oder verlassen werden dürfen. Ansonsten kann das den Tod oder Krankheit nach sich ziehen. Hierin greift Hellinger auf ein totalitäres Menschenbild zurück, das die Chance individueller Handlungsmaximen negiert.
Das Weltbild Bert Hellingers soll an folgenden Themen orientiert dargestellt werden, zu denen er auch am häufigsten arbeitet:

Die heilige Ordnung der Familie
Nach Hellinger ist die Familie eine der wichtigsten Ordnungen. Die natürliche Konstellation der Familie darf niemals gebrochen werden. Diese Konstellation sieht folgendermaßen aus:
Der Mann steht an erster Stelle, ihm folgt die Frau, als nächstes die Kinder- der Erstgeborene zuerst und so weiter. Wird gegen diese Ordnungen verstoßen, wenn z.B. "der Mann der Frau folgt, hat das schlimme Auswirkungen." Die Aufgabe der Frau sieht Hellinger in den Kindern und der Küche: "Früher hatten die Familien viele Kinder, da war die Frau erfüllt und ausgefüllt in ihrer Rolle. Eine Frau gewinnt durch die Kinder, eine Frau mit zehn Kindern hat ja eine Wucht, die eine Frau ohne Kinder nie haben kann - und auch ein Mann nicht. Das ist dann eine Erfüllung. Aber wenn sie nur ein Kind hat, dann ist sie nicht erfüllt. (...) Aber heute ist es ja kaum noch möglich, so viele Kinder zu haben. Deshalb drängen die Frauen (...) ins Berufsleben. Und dann entsteht eine Spannung. Die Frau ist (...) schon geeigneter, die Rolle zu Hause zu übernehmen."
Hellinger unterstellt der Frau einen kosmischen Auftrag, eine Vorherbestimmung, die durch die moderne Lebensweise (Erwerbstätigkeit außer Haus; Ablehnung der gesellschaftlichen Zuschreibung von rein männlichen und rein weiblichen Charaktereigenschaften) im Bewusstsein verschütt gegangen seien. "Die Bestimmung der Frau" reduziert er klar auf die biologische Besonderheit des Gebärens, auf "Kindererziehung, Heim und Herd."
Wer mit dieser Rollenverteilung Probleme hat oder gar ein anderes Leben bevorzugt, ist krank – leidet etwa an einer "doppelten Verschiebung". Heilung liegt nur in der Anpassung an die konservative Ordnung. Hellingers System dient als Verbreitungsbasis für ein konservatives, patriarchales Frauenbild und eine traditionelle Familienpolitik.

Das Geschichtsbild
Hellingers Lehre macht den einzelnen Mensch zum gefügigen  unmündigen Objekt geheimnisvoll wirkender Kräfte und "Ordnungen". Auch das politische Weltgeschehen wird zu nebulösem Wirken des Schicksals: " Ich denke, dass in der Welt Kräfte am Werk sind, die lassen sich nicht steuern. Deswegen tun mir die Weltverbesserer leid. Die großen geschichtlichen Bewegungen, der Nationalsozialismus, der Humanismus, die Wende, all das sehe ich als Teil eines gesteuerten Prozesses, bei dem die Opfer sowohl wie die Täter in Dienst genommen sind, für etwas das wir nicht begreifen." Alles wird zum Wirken einer kosmischen "Dynamik" erklärt, die Täter und Opfer auf eine Stufe gestellt. Aus dieser Sicht wird aus dem Vernichtungswahn der Deutschen nur ein Teil des Großen und Ganzen - alle Täter werden entschuldigt und zu Opfern stilisiert. "Auf der Ebene von:` Da muss man doch was machen, das darf doch nicht mehr passieren` herrscht also die Vorstellung, als hätten die Täter selbstbestimmt gehandelt. Also: Der Betrunkene hat das gemacht, oder der Eichmann hat die Judenvernichtung organisiert. Ich gehe da auf eine andere Ebene. Ich sehe sie alle auf einer Ebene von Schicksal, das alle handeln (...) lässt. Jeder ist ausgeliefert". Hellinger erklärt so nicht nur alle Täter für per se nicht schuldig, sondern somit auch als nicht kritisierbar. Einem Ratsuchenden, der aufgrund seiner humanistischen Einstellungen nicht mit der Rolle seines Vaters während des NS zurechtkam, erklärte er, dass er durch die Kritik am Vater die "Ordnungen" von Sippenbindung und Blutsvorfahren brechen würde. Den Sohn gehe nichts an, was der Vater getan habe, er habe ihn in allen seinen Taten - explizit auch in den verbrecherischen – zu "achten". Um seine Sichtweise zu verdeutlichen, folgendes Beispiel: "Da hat eine jugoslawische Dichterin unbedingt ein Denkmal errichten wollen für einen deutschen Soldaten. Der war abkommandiert zu einem Erschießungskommando, um Partisanen zu erschießen. Doch er hat sich geweigert, sein Gewehr zu erheben, ist dann rübergegangen zu den Partisanen und hat sich mit ihnen erschießen lassen." Hellinger kommentiert diesen Akt der Verweigerung eines deutschen Soldaten gegen das Wüten und Morden deutscher Truppen auf dem Balkan folgendermaßen: "Nun, was war denn das für einer? Ist er gut, ist er böse? Was hat er denn gemacht? - Er hat sich vor seinem Schicksal gedrückt. Wenn er geschossen hätte, weil er sich sagt: ´ich bin verstrickt in meine Gruppe, und die sind verstrickt in ihre Gruppe, und das Schicksal hat es so gefügt, dass ich sie erschießen muss, statt sie mich, und ich stimme dem zu, was immer auch die Folgen sind` , das ist Größe.“

Sexueller Missbrauch
Auch sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung sieht Hellinger in einem "größerem Zusammenhang". Die betroffene Frau soll im Nachhinein zustimmen, es offenbare sich in einem triebgesteuerten Sexualtäter eben der einer Frau schicksalhaft vorgezeichnete Wille des großen Geistes. Hellinger stellt Vergewaltigung als etwas durch die Natur des Menschen Bedingtes dar, für das der einzelne Täter nicht verantwortlich gemacht werden könne. "Wir werden von der Sexualität in einem tiefen Sinn vergewaltigt und überwältigt. Dass das auch diese extremen Formen annehmen kann, liegt in der Natur der Sexualität und nicht in der Natur eines individuellen Täters." (!) Am folgenden Beispiel soll gezeigt werden, dass Hellingers "Therapie" nicht zum Ziel hat die Ratsuchenden aus ihren erniedrigenden Zuständen zu befreien, sondern sie in der Unterdrückung zu belassen und dieser sogar noch zuzustimmen.
Eine Frau, die zuvor von sechs Männern vergewaltigt worden war, suchte Hilfe. Hellinger wies die Stellvertreter der sechs Vergewaltiger an, sich in einer Reihe aufzustellen. Die Frau musste vor jeden einzelnen ihrer symbolischen Peiniger treten und sich vor ihm verbeugen. Danach stellte Hellinger sie an das Ende der Reihe, in eine Linie mit den sechs dargestellten Vergewaltigern und ließ die Frau sagen: "Hier ist mein Platz." Damit war die "Therapie" zu Ende.

Doch warum ist so ein gefährlicher Schwachsinn in der heutigen Zeit noch verbreitbar bzw. warum kann er auch unter ehemals fortschrittlich denkenden Menschen solch hohe Anerkennung finden?
Ein paar Gründe hierfür wurden anfangs schon genannt, der wichtigste und am häufigsten zutreffende soll hier noch näher ausgeführt werden. Annähernd alle esoterischen, irrationalen und antiemanzipatorischen Therapieformen, Heilsversprechen oder Lebensbewältigungsstrategien setzen einen Missstand voraus.
Ein diffuses Unbehagen im privaten oder gesellschaftlichen Bereich. Eine Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen. Diese kann aber nicht konkret benannt werden, Ursachen werden nicht anständig analysiert. Sollte es doch einmal der Fall sein, tritt relativ schnell die Erkenntnis ein, dass das Ändern dieser Verhältnisse kein kleines Vorhaben ist.

Die Alternative: Die Unterwerfung genau dieser kausaler Zusammenhänge unter Schicksal, Zufall oder die Schlechtigkeit des Menschen. Man begibt sich auf den Weg in "Selbstfindungsprozesse" beginnt die Dinge "ganzheitlich zu sehen" oder entdeckt, dass "nach Ying und Yang alles Böse auch was Gutes hat".
Kritik an der Welt wie sie ist, ist nicht mehr möglich und nötig, die Welt wird nur noch gefühlt und eine neue Erkenntnis tritt ein: Der zu überwindende Widerspruch war, dass die Vernunft etwas an der Realität auszusetzen hatte! Deshalb: think positiv!, kein Fleisch mehr essen, einkaufen im Bioladen, Kinder auf die Reformpädagogische Schule, bei Krankheit zum Homöopathen und "im Kleinen und bei sich selber anfangen!"

So einfach geht´s! Da der Kapitalismus weder analysiert, geschweige denn abgeschafft werden konnte und auch jegliche Kraft und Motivation fehlt, weitere Versuche in diese Richtung zu unternehmen, wird die Welt kurzerhand als von fremden Mächten oder Schicksalen bestimmt beschrieben und schon hat man jede Verantwortung abgegeben. Der Ursprung der irrationalen Theorien liegt immer in der Ablehnung der sich durch die Vernunft ergebenden Antworten. Eine systematische Ablehnung der Vernunft liegt darin begründet, dass die Wirklichkeit selbst unvernünftig ist.
Doch hier schlummert ein Teufelkreis: Wer auf irrationalen Theorien gleich welcher Couleur beharrt, wird immer weiter vom rationalen Denken abweichen müssen, um nicht peinlicherweise irgendwann doch noch auf was Richtiges zu kommen. Verwunderlich ist deshalb nicht, warum der Glaube an den Unfug oft proportional mit dem Ausmaß des Unfugs steigt.
Der Irrationalismus sucht eine Antwort auf die Krisenerscheinungen und den damit einhergehenden mörderischen Alltag der bürgerlichen Gesellschaft, ohne deren Gesetze als spezifische zu erkennen (erkennen zu müssen). Somit ist er ein untrennbares Moment dieser bürgerlichen Gesellschaft. Wenn die Vernunft die bürgerliche Wirklichkeit aber doch widerlegt, ist ihre Verteidigung nur mehr auf irrationale Weise durch Intuition oder in einer "höheren" Wirklichkeit möglich.

Vernunft ist ohne das radikale Brechen mit der bürgerlichen Ideologie
nicht zu haben.